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Das Kieler Ostufer besteht aus den
Stadtteilen Gaarden,
Ellerbek,
Wellingdorf und Neumühlen-Dietrichsdorf
.
Diese waren früher eigenständige Dörfer und wurden in der
Zeit von 1901 - 1924
eingemeindet.
Das Gymnasium
Wellingdorf war das erste Gymnasium auf dem Kieler Ostufer.
Das heutige Gaarden, das erstmals im 12. Jahrhundert
dokumentarisch erwähnt wurde, findet seine Ursprünge in zwei
Dörfern, Klösterlich
Gaarden und Fürstlich Gaarden. Die Höfe von Fürstlich
Gaarden standen rund um
den Vorgänger der heutigen Lübecker Chaussee, während sich
das andere
Ursprungsdorf, Klösterlich Gaarden, auf dem Gebiet der heutigen
Werftstraße
befand. Beide Dörfer waren von idyllischen Salzwiesen und
Obstbäumen umgeben,
so dass es zu feuchten Jahreszeiten wegen des morastigen Untergrundes nur
einen
Weg aus schmalen Holzplanken gab, um nach Kiel zu gelangen. Im Volksmund
nennt
man ihn heute noch die "Kippe".
Am Anfang dieses Jahrhunderts änderten sich die
Verhältnisse in den Dörfern, die vornehmlich von Bauern und
Kleinhandwerkern bewohnt
waren, und das moderne Gaarden entstand.
Im Zuge der Industrialisierung verdrängten bald Werften
den Ortsteil Klösterlich Gaarden und ein neuer Eisenbahnanschluss
verband das
Industriegebiet mit dem Kieler Hauptbahnhof. Mehrgeschossige
Mietshäuser
bestimmten das Bild des neuen Ortes, wohingegen Fürstlich Gaarden
schließlich
eingeebnet und zum Güterbahnhof umfunktioniert wurde.
Bis zum Jahre 1910 hatte sich die Einwohnerzahl
verzehnfacht (4520 Einwohner) und die
ehemaligen Dorfsiedlungen entwickelten sich im Laufe des Jahrhunderts zu
einem städtisch geprägten Viertel, das ein eigenes Rathaus und
Elektrizitätswerk besaß.
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Das
Dorf Ellerbek entstand im 13. Jahrhundert dort, wo der Erlenbach in die
Förde
mündete. Es erhielt seinen plattdeutschen Namen nach diesem kleinen
Fluss. In
der Nähe der Erlenbachmündung konnte man ein Fährboot
besteigen und nach Kiel
übersetzen; denn die Uferstraße nach Kiel war häufig
überschwemmt. Neben der
Boots- und Schifffahrt waren Fischerei und Fischräucherei die
wichtigsten
Erwerbszweige. So lässt sich der Weltruf der Kieler Sprotten auf
Ellerbeker
Räuchereien zurückführen, in denen die kleinen Fische
für ihre großen Reisen -
sie wurden bis nach Sachsen und Thüringen gehandelt - haltbar
gemacht wurden.
1666 schlossen sich die Ellerbeker Fischer aufgrund der Brandgefahr in
den
Räuchereien zu einer Brand- und Schützengilde zusammen,
später "Buttgilde"
genannt, weil bei Gildefesten Gäste am Ellerbeker Strand kostenlos
mit
gebratenem Butt und anderen Fischspezialitäten bewirtet
wurden.
Über
die Gründung ist nichts bekannt. Der Ort wird 1315 zum ersten Mal
erwähnt. Der
Name ist eventuell aus der Landschaft entstanden (alter Name Belendorp,
bel=ballig, wellig), die sehr hügelig ist beziehungsweise war. Das
Wort könnte
aber auch von einem Personennamen hergeleitet sein.
Wellingdorf war ein reines Bauerndorf, dessen Häuser rechts und
links der
Schönberger Straße standen. Diese verband alle Dörfer des
Ostufers mit der
Stadt Kiel und der Probstei. Um 1855 lebten in Wellingdorf 366 Einwohner,
die
sich ausschließlich von der Landwirtschaft ernährten.
An der Stelle, an der heute das Gymnasium Wellingdorf steht, wohnte einst
der Bauer Langmaak, der 33 Hektar Land besaß (siehe
Bild).
Nördlich der Schwentine lagen die beiden Dörfer Neumühlen und Dietrichsdorf.
Neumühlen
war eigentlich kein Bauerndorf, sondern hatte einen mehr gewerblichen
Charakter. Dieser wurde durch zahlreiche Mühlen geprägt, die
dem Ort auch
seinen Namen gaben. Alle Bürger aus Kiel und den Dörfern der
Umgebung, die
Ackerbau betrieben, mussten ihr Korn in Neumühlen mahlen lassen.
Für die
Kornanlieferung vom Westufer der Förde war extra ein durch Eid
gebundener
Bootsführer eingestellt, der das Getreide nach Neumühlen
schaffte und das
Mahlen beaufsichtigte.
Dietrichsdorf dagegen war ein reines Bauerndorf, das 1855
nur 234 Einwohner hatte.
Ein sprunghafter Wandel setzte ein, als sich die Schiffswerft von Georg
Howaldt 1876 an der Schwentinemündung niederließ. Später
hieß sie Kaiserliche
Werft, aus ihr ging die HDW (Howaldtwerke-Deutsche Werft) in Gaarden
hervor.
Die Einwohnerzahl von Dietrichsdorf stieg in der Zeit von 1867 bis 1905
von 284
auf 5136.
Die Entstehung des Gymnasiums Wellingdorf - bis 1970 das einzige Gymnasium auf dem Kieler Ostufer - beginnt im Jahre 1914. Als mit der Reichsgründung 1871 und der Verlegung des Reichskriegshafens von Danzig nach Kiel die Einwohnerzahl besonders auf dem Ostufer der Kieler Förde rapide anstieg (Zwischen 1895 und 1905 verdoppelte sich die Einwohnerzahl ganz Kiels.), wurde nach jahrelangen Bemühungen der Stadt im Jahre 1914 die" Königliche Realschule i.E." gegründet, in der Schüler von Sexta bis Untersekunda unterrichtet werden sollten. Es gab zunächst jedoch kein Gebäude für die Schule, so dass die 41 Sextaner und 17 Quintaner von 1914 bis 1917 erst in der Gaardener Doppelmittelschule, dann in der Oberrealschule II am Königsweg und in der Fröbelschule gastieren mussten.
1917 war
die "Wanderschule " inzwischen auf vier
Jahrgänge angewachsen und benötigte weitere
Unterrichtsräume. Sie bezog den
Ostflügel der Wellingdorfer Mittelschule (Bild links), also einen
Teil unseres
heutigen Altbaus, den Baumeister J. Theede 1911 als städtische
Mittelschule für
Jungen und Mädchen errichtet hatte. 1918 wird die Schule in "
Staatliche Realschule
zu Kiel " umbenannt.
1919 machten die ersten Untersekundaner ihre Abschlussprüfungen. Ab 1923 besuchten auch einige Mädchen die Schule. Als "Staatliche Oberrealschule" darf unsere Schule ab 1927 das Abitur abnehmen. (Oberrealschulen hatten eine neunjährige Schulzeit ohne Latein; das Abitur berechtigte nur zum Studium der Naturwissenschaften und technischen Fächer.) 1932 zog die Mittelschule aus dem Gebäude aus. Im Zuge der Schulreform 1938 wurde unsere Schule in "Staatliche Oberschule für Jungen" umbenannt. Gegen Ende des zweiten Weltkrieges haben Bomben das Schulgebäude zu großen Teilen zerstört; über 100 Schüler sind im Krieg gefallen.
Zwischen 1945 und 1954 erfolgte der Wiederaufbau; Unterricht wurde bereits seit 1945 in provisorischen Räumlichkeiten erteilt. Die "Staatliche Oberschule Kiel-Wellingdorf" vergrößerte sich rasch, so dass 1958 und 1964 Erweiterungsbauten hinzugefügt werden mussten. 1969 ist die Schule mit ca. 1200 Schülern und Schülerinnen das größte Gymnasium des Landes Schleswig-Holstein.
Das staatliche Gymnasium ging 1982 in die Trägerschaft der Stadt Kiel über und heißt seitdem "Gymnasium Wellingdorf". 1986 wurde das Gebäudeensemble durch das Oberstufengebäude noch ein letztes Mal erweitert.

Luftbild vom Gymnasium Wellingdorf
Literatur:
Breit, Günter - Geckeler, Christa - Schöner, Hans -
Stutzer, Ilse - Zenk, Maren: Das Gymnasium Wellingdorf Eine
Schule
auf dem Kieler Ostufer 1914 - 1989; Mitteilungen der Gesellschaft
für Kieler
Stadtgeschichte, Hrsg. Jürgen Jensen, Bd. 75; Kiel 1989
Breit, Günter: Das Kieler Ostufer,
Bevölkerungsstrukturen und
Existenzgrundlagen seit Beginn der Industrialisierung; Kieler
Arbeitspapiere
zur Landeskunde und Raumordnung, Hrsg. H. Achenbach et al., Bd. 37;
Kiel
1998
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