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Fachtag Kunst: Ausflug ins Heikendorfer Künstlermuseum

„Sein Lebenslauf war beeindruckend“, stellte Paul aus der 9a in seiner Nachbetrachtung zu unserem Ausstellungsbesuch im Heikendorfer Künstlermuseum fest. Am 6. Juni machten sich die Schüler/innen der 9a – größtenteils mit Fahrrädern – von ihren Wohnorten in der Probstei und aus Kiel auf zum Künstlermuseum Heikendorf, das zu dem Zeitpunkt eine Einzelausstellung des lettischen Malers Edgars Vinters zeigte.

Die Bilder von Vinters, der in diesem Jahr hundert geworden wäre, gelangten durch die Vermittlung Hans Joachim Gerbers, der diesen Maler entdeckt und bekannt gemacht hat, ins Heikendorfer Künstlermuseum. Gerber, der sich den Schülerinnen und Schülern schlicht als inzwischen 74-jähriger ehemaliger Soldat vorstellte, war nach dem Beitritt Lettlands zur Europäischen Union als ranghoher Offizier der Nato im Baltikum aktiv und stieß dort in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf den damals schon recht betagten und in ärmlichen Verhältnissen lebenden Vinters. Vinters´ Malerei, die von impressionistischer Landschaftsmalerei inspiriert zu sein scheint, passte nicht zum Diktat des sozialistischen Realismus. Für Vinters waren öffentliche Aufträge nicht vorgesehen und Ausstellungen nicht möglich, was ihn nicht daran hinderte, in Hunderten von Bildern die lettische Landschaft in den verschiedenen Jahreszeiten, das nordische Licht und insbesondere immer wieder „seine“ Birken zu malen und sich nebenher als Mallehrer durchzuschlagen.

Nach dem Rundgang durch das alte Atelierhaus des Heikendorfer Malers Heinrich Blunck mit der Leiterin des Hauses Dr. Sabine Behrens übernahm Hans Joachim Gerber und erzählte aus dem Leben von Edgars Vinters anhand vieler Privatfotos. So wurden die Schüler/innen auch in das malerische Vorgehen und den künstlerischen Schaffensprozess eingeführt. Madleen fasste dies in ihrem Feedback so zusammen: „Ich finde interessant, dass der Sammler das Leben des Künstlers begleitet und somit sehr authentisch erzählt hat.“ Die in den Fotos dokumentierte ungebrochene Schaffenskraft des mit 94 Jahren verstorbenen Vinters kommentiert Luk so: „Mich hat die Genauigkeit beim Zeichnen auch im hohen Alter beeindruckt.“

Die im Anschluss an den Vortrag von Herrn Gerber folgende praktische Aufgabe sollte den Schülerinnen und Schülern dazu verhelfen, die flüssige, großzügige Art des Malens und den Reichtum der Farbnuancen des lettischen Malers noch besser nachzuempfinden. Wie Vinters malten auch die Schüler/innen auf weiß grundiertem Karton und versuchten, auf kleinen Formaten Ausschnitte aus den Gemälden zu kopieren.

In der gemeinsamen Schlussrunde wurde deutlich, dass es für die meisten Jugendlichen nicht leicht war, den Gemälden Vinters‘ in ihren Kopien gerecht zu werden. Dennoch war es für alle ein lohnenswerter Versuch, und ganz nebenbei konnten dank der spannenden Erzählungen Hans Joachim Gerbers Einblicke in die jüngere Geschichte Europas gewonnen werden.

Finn-Ole hat den Mehrwert des Museumsbesuchs in seinem Kommentar so zusammengefasst: „Mir hat der Ausflug gut gefallen, da wir durch den Sammler einen noch tieferen Einblick in das Leben des Künstlers bekommen haben. Außerdem hat es sehr viel Spaß gemacht, Teile der Bilder nachzuempfinden und selbst zu malen.“

Wiebke Kohlscheen

vom 18.06.2019

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