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Post für uns aus BRASILIEN

Unser Schüler Lucas Appel erzählt von seinen Erfahrungen, vor allem der brasilianische Schulalltag hat ihn beeindruckt:

Wie einige vielleicht schon festgestellt haben, mache ich im aktuellen Schuljahr Brasilien unsicher und ich wurde gebeten, auch Berichte für unsere Schulhomepage und die Zeitung zu schreiben. Das mache ich doch gern!

Einer der stärksten Eindrücke, die ich nach einem Monat habe ist, dass es hier verdammt warm werden wird. Da ich ja nun auf der Südhalbkugel bin, haben wir hier im Moment noch Winter und trotzdem schwitze ich bei 34 °C. Ich bin somit froh, dass mein Zimmer einen Ventilator hat.

Natürlich habe ich mir im Vorfeld auch Gedanken gemacht, was ich genau hier schreiben möchte und ich habe mich dazu entschieden, zuerst über die Schule zu schreiben.

Zunächst: Ich besuche hier eine private Schule, da der Staat in Brasilien nicht wirklich viel Geld in Bildung investiert. Dementsprechend gilt hier, je mehr Geld man besitzt, desto mehr Bildung kann man sich und seinen Kindern ermöglichen. Zudem ist die Schule im Vergleich zu deutschen Schulen sehr klein, es gibt hier nur eine Klasse pro Jahrgang.

Das Schulgebäude ist an die höheren Temperaturen angepasst, hat also in jedem Klassenzimmer eine Klimaanlage, und das Gebäude selbst ist sehr offen gestaltet.

Auf dem Bild sieht man den Gang zu meinem Klassenraum, der nach draußen offen ist. Der Raum selbst ist eher im US-Amerikanischen Stil gehalten. Es gibt also keine Fenster und für jeden Schüler eine Stuhl-Tisch-Kombi. Der Unterricht ist im Allgemeinen eher eintönig, da zumindest in meiner Schule der komplette Unterricht aus Theorie besteht. Chemie- und Physikunterricht funktionieren so, dass der Lehrer vorne an der Tafel Aufgaben vorrechnet, die man mitschreiben und Ähnliches später als Hausaufgabe lösen soll. Selbst Sport besteht in den höheren Klassen nur noch daraus, dass die Lehrerin in die Klasse kommt und irgendetwas, das mit Sport zu tun hat, erzählt. Es geht in diesem Zusammenhang also zum Beispiel um Ernährung und Muskeln sowie natürlich auch um die Olympischen Spiele.

Der Englischunterricht findet selbst im Abschlussjahrgang, dem ich angehöre, noch größtenteils auf Portugiesisch statt. Das bedeutet, dass alle, die zusätzlich nicht auch privaten Englischunterricht erhalten, kaum Englisch sprechen.

Ästhetische Fächer gibt es hier gar nicht. Dafür ist das, was bei uns dem Deutschunterricht entspräche, dreigeteilt in Portugiesisch, Literatur und Texte schreiben. Der Stundenplan ist recht chaotisch. Es ist hier so, dass ich dreimal die Woche bis 18:45 Uhr zur Schule gehe, aber dafür habe ich dienstags bis auf Portugiesisch gar keinen Unterricht. Und obwohl Brasilien ein katholisch geprägtes Land ist, gibt es hier keinen Religionsunterricht. Zudem gibt es eine Schuluniform, die in der Schule getragen werden muss. Sie besteht nur aus einem T-Shirt – das reicht auch bei den Temperaturen, die hier erreicht werden.

Die einzigen Optionen zur Unterrichtsgestaltung, die Lehrer hier haben, sind sich entweder an das für jedes Schulfach verpflichtend vorgeschriebene Buch zu halten oder die Informationen in eine Powerpoint-Präsentation zu schreiben und dann 90 Minuten am Stück zu reden. Lehrer werden, wie eigentlich alle hier, mit Vornamen angesprochen und meistens von jedem Schüler einzeln begrüßt oder verabschiedet. Hierbei gibt es bei den Geschlechtern Unterschiede: Männer begrüßen sich untereinander mit einem Handschlag, während sich Mann und Frau mit einem Küsschen auf die Wange begrüßen. Dies trifft auch auf Frauen untereinander zu.

Die Biologielehrerin ist ein sehr interessantes, aber auch extremes Beispiel für die Lehrer hier. Einmal redet sie für mich wirklich sehr undeutlich und ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob meine Mitschüler alles verstehen, was sie sagt. Außerdem ist sie empfänglich für „Nettigkeiten“, wie zum Beispiel das Tragen ihrer Tasche oder auch das Wischen der Tafel. Dies kann sich dann laut meinen Mitschülern auch mal auf die Noten auswirken. Zudem wirft sie unregelmäßig ein paar Süßigkeiten durch die Klasse, worauf hin sich die Mitschüler fast die Köpfe einschlagen, nur um das Bonbon zu bekommen. Auch im Abschlussjahrgang herrscht eher wenig Disziplin. Dies kann einfach daran liegen, dass die Brasilianer eine andere Mentalität haben. Jedoch gibt es nur wenige Augenblicke, in denen es wirklich leise ist.

So weit zu meinem ersten Bericht aus Brasilien. Wer jetzt noch mehr lesen möchte, z.B. über das Essen, kann gerne meinen Blog auf lucasapp.wordpress.com besuchen. Zum Schluss möchte ich noch meine Klasse, die Unterprima c, grüßen. Und natürlich die 6b, denn ich bin einer ihrer Schülerpaten.

Bis zum nächsten Mal!

Herzliche Grüße von Lucas Appel

vom 11.11.2016

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